Palais Abendrot (Chorprobe im Seniorenheim)

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– Aus dem Augenwinkel einer Mitspielerin

Das Stück wurde 2010 im Auftrag der VHS Völklingen, im Rahmen der Aktion „Völklingen lebt gesund!“, von Jürgen Reitz geschrieben (natürlich haben wir Bewohner unser Senf dazu gegeben!) Seitdem tourt Titania weiter durch die Seniorenheime und sozialen Einrichtungen des Saarlandes.

Auf dieser Wandertour haben wir viel erlebt:

Unsere erste „Auswertsaufführung“ war am 17.2.2011 im Bildungszentrum Kirkel ; dort stellte sich zum ersten Mal die Frage der Auftrittseite, genaues Spiegelbild von unserem Theater; außerdem war die Bühne viel zu hoch für den Rolli…dank unserem einfallsreichen Regisseur und dem kräftigen Herrn“ Beuchlein“ (mit EU), haben wir dieses Problem gelöst. Andere kamen nach und nach, für jedes fanden wir eine Lösung.

Palais Abendrot (Chorprobe im Seniorenheim)In der Breite 63 gab es z. B keine Möglichkeit in Kostüme (d. h .abgeschirmt vom Publikum) auf die Toilette zu gehen: ein Weg mit Stellwänden wurde im Nu organisiert; die erstaunlich rüstigen männlichen Mitspieler haben die arme „Gräfin“ in ihrem Rolli bis an den äußersten Rand der  Bühne und des Wahnsinn gebracht ,und als dann noch eine Gruppe Zuschauer einfach „tanze mit mir in den Morgen …“ weitergesungen hat, waren wir geschafft.

In Völklingen haben wir zum ersten Mal in einem Altenheim gespielt, vor unserer ältesten Zuschauerin: sie war 102 Jahre! Wir waren sehr nah am Publikum, hatten zum ersten Mal ein Spiegelbild uns selber, in mehr oder weniger entfernten Zukunft.

Es gab sehr rührende Moment und viele lustigen Ereignisse. Eine kleine Kostprobe:

-„falsch „ schrie empört eine Dame, nach einem besonderen guten Gag…

-„hier „ rief der Herr,  und kam mit seinem Rolli im Schnelltempo, als „Valentina“  ihren Mitspielern Pralinen anbot…

-Eine kecke Dame hat unserem „ Frank-Peter“ ein unmoralisches Angebot  gemacht, was  die anschließende Konzentration etwas erschwerte…

– wenn ein  echter Chor im Publikum sitzt, hört man uns nicht mehr, keine Chance…

Schön ist auch der Kontakt mit dem Publikum nach dem Stück, da bekommt man natürlich Lob und auch so manches kleine Geheimnis erzählt : die eine hat in der Vorfreude ihr Gebiss verloren, die andere hat ZWEI Bonbons gelutscht damit sie mitsingen kann, und eine andere hat sogar ein Gläschen von ihrem Schnaps der „armen Schwester Trude „ spendiert, damit sie die viele Schokolade besser verdauen kann!

Usw. usw. Die unangenehmen Sachen haben wir einfach in eine Schublade gemacht und daraus gelernt.

Sehr rührende Momente sind die, wenn wir unser Ziel erreichen: Leute die nicht mehr wirklich da sind erwachen plötzlich durch die Musik, versuchen sogar mit zu singen, man sieht Funken in den Augen und so manch ein Finger  bewegt sich im Takt…

Wir sind fast immer sehr nett empfangen worden; das Personal der Heime hat sich bemüht uns alles zu ermöglichen und obwohl uns manchmal sehr große Räume zu Verfügung standen, haben wir gelernt in der letzten  kleinsten Ecke uns umzuziehen und auf den Auftritt (manchmal lang!) zu warten.

Ich glaube wir alle sind dankbar, dass wir das Stück auf dieser Weise so oft spielen durften, und obwohl die Mannschaft nicht mehr ganz im Original ist, hat es uns auf gewisser Weise zusammen geschweißt, und jeder denkt gern an die Entstehungszeit von „Palais Abendrot„.

„Valentina Potente“

2016-11-11T14:15:08+00:00 Kategorien: Allgemein, Gelungene Projekte|Tags: , , , |